Köln (Nordrhein-Westfalen) – Alice Schwarzer (83) beendet nach 49 Jahren ihr feministisches Magazin „Emma“. Die Ausgabe vom 8. Dezember wird die letzte sein, teilte die Frauenrechtlerin der Deutschen Presse-Agentur in Köln mit. Wirtschaftliche Gründe sind dabei nicht ausschlaggebend. Schwarzer versicherte in einer Erklärung, dass die Einnahmen immer noch die Ausgaben decken, obwohl die Auflage sinkt. Sie erklärte: „Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!“
„Emma“ hat nach eigenen Angaben über drei Generationen hinweg die Stellung gehalten und gegen Unsinn im Namen des Feminismus Position bezogen. Damit endet nach einem halben Jahrhundert die Geschichte eines der bekanntesten feministischen Magazine Deutschlands. Die kommende Ausgabe erscheint am 27. Oktober und ist die vorletzte. Am 8. Dezember folgt eine doppelt so umfangreiche Jubiläumsausgabe zum Abschied.
Als am 26. Januar 1977 die erste Ausgabe von „Emma“ erschien, glaubten viele nicht an eine lange Zukunft. Schwarzer erinnert sich, dass Kollegen dem Blatt damals höchstens zwei Ausgaben zutrauten. Daraus wurden 398 Ausgaben mit insgesamt 36.584 Seiten und acht Sonderbänden. Mit dem Magazin kämpfte Schwarzer jahrzehntelang für Frauenrechte.
Bereits 1978 berichtete das Magazin über Kindesmissbrauch, ab 1979 über Islamismus. Auch Brustkrebs, Genitalverstümmelung und das Ehegattensplitting gehörten zu den Themen. „Emma“ blieb bis zuletzt in Schwarzers Hand und unabhängig von großen Medienkonzernen.
Das Lebenswerk der Frauenrechtlerin verschwindet nicht ganz. Das vollständige Archiv wird dem Deutschen Literaturarchiv Marbach übergeben. Ab 2029 sollen dort Briefe, Akten und Unterlagen für die Forschung zugänglich sein. Auch die bisherigen Ausgaben bleiben im digitalen Lesesaal nachlesbar. Wie es weitergeht, lässt Schwarzer offen, aber sie ist sich sicher, dass es weitergeht.