Dienstag 20. Oktober 2026
Sprachniveau:

Berlin plant Vergesellschaftung von großen Wohnkonzernen

Berlin plant Vergesellschaftung von großen Wohnkonzernen
Schrift:
Berlin plant die Verstaatlichung von großen Wohnungskonzernen. Es geht dabei um Zehntausende Wohnungen und mögliche Milliarden an Entschädigungen. Jetzt reagiert die Baubranche auf diese Pläne.

In ihren Sondierungen haben sich Linke, Grüne und SPD darauf verständigt, dass Wohnungsbestände großer Konzerne ab 10.000 Wohnungen in Gemeineigentum überführt werden sollen. Die Bundesregierung prüft deshalb weiterhin ein Gesetz, das solche Vergesellschaftungen bundesweit verhindern könnte.

Genau hier liegt das Problem, weil das Grundgesetz Vergesellschaftungen in Artikel 15 ausdrücklich vorsieht. Die mögliche Regelung in Berlin sorgt deshalb für heftige Debatten.

Der Ökonom Michael Voigtländer vom IW schätzt den Marktwert der betroffenen Wohnungen auf rund 25 Milliarden Euro. Für Entschädigungen stehen nach den bisherigen Plänen allerdings nur etwa 16 Milliarden Euro zur Verfügung.

Kritiker warnen deshalb vor einem Konflikt um die Verfassungsmäßigkeit und vor einem schlechten Signal an Investoren.

Auch die Bauwirtschaft ist alarmiert, denn der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie warnt: Eine Verstaatlichung schafft keine einzige neue Wohnung und löst auch das Problem fehlender Sanierungen nicht. Stattdessen braucht Berlin einen Bau-Turbo II, also bessere Bedingungen für Genehmigungen, Planung und Neubau.

Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia will seine Neubauaktivitäten in Berlin künftig zurückfahren. Rund 1.000 Wohnungen, die aktuell gebaut werden, sollen zwar fertiggestellt werden.

Aber neue Projekte könnten künftig stärker außerhalb von Berlin entstehen. Dabei sagt Vonovia-Chef Luka Mucic, dass das Unternehmen aus seinem Bestand theoretisch rund 20.000 neue Wohnungen bauen könnte, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Schafft Vergesellschaftung mehr bezahlbaren Wohnraum, oder schreckt sie genau die Investoren ab, die Berlin für den Neubau braucht?
Politik
Heute, 20. Oktober 2026 • 👁️ 14 Aufrufe