Berlin – Eine schwere Panne von Regierung und Bundestag sorgt dafür, dass die für den 1. Januar 2027 geplante Erhöhung der Tabaksteuer bereits ab heute gilt. Dabei gilt nicht der Satz für 2027, sondern der noch höhere Satz, der erst ab 2030 gelten soll. Grund dafür ist, dass das Gesetz am Dienstag im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde und laut Text am Tag nach der Veröffentlichung gilt.
Während des gesamten Gesetzgebungsverfahrens fiel der Fehler im Finanzministerium niemandem auf, bis die BILD-Zeitung am Dienstag beim Finanzministerium von Lars Klingbeil (48, SPD) nachfragte. Nach einer Stunde Schweigen erklärte das Ministerium am Abend, dass ein technischer Fehler beim Datum des Inkrafttretens passiert sei und man eine Berichtigung angestoßen habe, die jedoch noch nicht geändert wurde.
Michael von Foerster, Chef des Tabakverbands VdR, kritisierte gegenüben BILD, dass der Gesetzgeber dilettantisch gehandelt und dem Mittelstand in Deutschland geschadet habe. Da noch keine neuen Steuerbanderolen gedruckt wurden, dürften die Mitglieder dem Gesetz nach ab heute Nacht um 0 Uhr nicht mehr produzieren, was einen Stopp der Maschinen bedeutet.
Als Notfallmaßnahme schickte das Ministerium ein Eil-Schreiben an den Zoll, der die Steuern eintreibt. Ein Sprecher erklärte, dass die Generalzolldirektion informiert sei und das Gesetz vorerst nicht durchsetzt. Korrigieren kann das Gesetz jedoch nur der Bundestag, der sich aktuell in der Herbstpause befindet.
Von Foerster forderte, dass das Bundesfinanzministerium noch am selben Tag eine Verlautbarung herausgeben muss, die die Weiterproduktion erlaubt, und der Bundestag das Gesetz schnellstmöglich korrigieren muss.
Die Tabaksteuer soll ab dem 1. Januar 2027 stufenweise bis 2030 um mehr als 50 Prozent steigen. Der Preis für eine Packung mit 20 Zigaretten soll bis 2030 auf gut zwölf Euro steigen, während er derzeit bei rund acht Euro liegt. Zudem betrifft die höhere Steuer Feinschnitt zum Selberdrehen und Ersatzprodukte wie Tabakerhitzer.
Paradox ist, dass nun bis zur nächsten Sitzung des Bundestages am 2. November das neue Gesetz gilt, aber wegen fehlender Banderolen die neuen Tarife noch nicht angewendet werden können.
FDP-Chef Wolfgang Kubicki (74) zeigte sich entsetzt, dass der Finanzminister die Tabakfirmen auffordert, geltendes Steuerrecht zu brechen, um die Folgen des eigenen Versagens zu kaschieren, was juristischen und politischen Sprengstoff berge.