Dienstag 20. Oktober 2026
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Goldreserven im Ausland: Ist die Strategie der Bundesbank noch sicher?

Goldreserven im Ausland: Ist die Strategie der Bundesbank noch sicher?
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Seit der Jahrtausendwende hat Deutschland mehr als 1600 Tonnen Gold aus dem Ausland zurückgeholt, darunter rund 930 Tonnen aus London sowie 674 Tonnen aus New York und Paris. Dennoch lagert fast die Hälfte des deutschen Goldschatzes weiterhin im Ausland, wobei der größte Teil in den USA aufbewahrt wird. Während andere Zentralbanken angesichts wachsender geopolitischer Spannungen ihre Reserven neu verteilen, hält die Bundesbank an ihrer bisherigen Linie fest. Es stellt sich jedoch die Frage, ob der zweitgrößte Goldschatz der Welt für künftige Krisen optimal gerüstet ist.

Die Dimensionen sind enorm: Deutschland besitzt etwa 3350 Tonnen Gold mit einem Gesamtwert von rund 400 Milliarden Euro. Davon befinden sich 1710 Tonnen in Frankfurt, 1236 Tonnen bei der Federal Reserve in New York und 404 Tonnen bei der Bank of England in London. Allein der amerikanische Bestand hat einen Wert von etwa 147,6 Milliarden Euro.

Jüngste Entscheidungen anderer europäischer Zentralbanken zeigen, dass die Auslandslagerung kritisch gesehen wird. Frankreich verkaufte zwischen 2025 und Anfang 2026 insgesamt 129 Tonnen Gold in New York und ersetzte diese durch Bestände in Europa. Zudem verlagerten die Niederlande im Jahr 2026 rund 86 Tonnen aus Nordamerika, um ihre Krisenvorsorge zu optimieren, wie Daten des World Gold Council belegen.

Dabei ist das Ziel der Niederländer bemerkenswert: Sie brachten das Gold nicht direkt ins Heimatland, sondern bauten ihre Bestände in London stark aus. Inzwischen liegt dort mehr niederländisches Gold als im eigenen Land, weil London der zentrale Handelsplatz für physisches Gold ist und Reserven in einer schweren Finanzkrise dort schnell mobilisiert werden können.

Dadurch wandelt sich die Funktion des Edelmetalls. Gold ist nicht mehr nur eine eiserne Reserve im Tresor, sondern Zentralbanken achten verstärkt darauf, wie schnell sie das Metall verkaufen, beleihen oder gegen Fremdwährungen tauschen können.

Die Bundesbank begründet die Aufteilung auf Frankfurt, New York und London mit Vertrauen durch heimische Lagerung und schneller Verfügbarkeit an internationalen Finanzplätzen. Gold muss nicht erst transportiert werden, um es beispielsweise in US-Dollar zu tauschen, da New York direkten Zugang zum Dollarraum und London Zugang zum wichtigsten Goldmarkt bietet.

Allerdings setzt diese Strategie voraus, dass ausländische Verwahrer uneingeschränkt kooperieren. Bei politischen Sanktionen oder Blockaden könnten selbst physisch vorhandene Bestände vorübergehend unzugänglich sein, weshalb es fraglich ist, ob die Bundesbank ihre 1236 Tonnen in New York in einer Extremsituation kurzfristig mobilisieren könnte.

Bundesbankpräsident Joachim Nagel sieht dennoch keinen Grund zur Sorge. In einem Interview im Mai 2026 betonte er, dass das deutsche Gold bei der Federal Reserve einen besonderen Rechtsstatus genieße und die USA sich durch eine Infragestellung selbst am meisten schaden würden. Dennoch stellt sich die Frage, ob dieses Argument angesichts aktueller Entwicklungen ausreicht.

Die Zollpolitik von Donald Trump hat gezeigt, dass die US-Regierung bereit ist, wirtschaftliche Risiken einzugehen. Auch die Eskalation des Konflikts mit dem Iran verdeutlicht, wie schnell politische Entscheidungen den internationalen Handel belasten können.

Niemand geht davon aus, dass Washington deutsches Gold einbehalten will, da es dafür keine Hinweise gibt und dies der Glaubwürdigkeit der USA schaden würde. Dennoch stellt sich für die Krisenvorsorge die Frage, ob man sich bei Vermögenswerten dieser Größe darauf verlassen sollte, dass ein Zugriff der USA wirtschaftlich unvernünftig wäre.

Eine Forderung lautet, das restliche Gold vollständig nach Frankfurt zu holen. Dies würde jedoch den schnellen Zugriff auf internationalen Märkten erschweren. Die Niederlande zeigen mit der Verteilung auf vertrauenswürdige Standorte eine mögliche Alternative.

Auch für die Bundesbank wäre es denkbar, einen Teil der Reserven nach London zu verlagern, um die Abhängigkeit von den USA zu verringern, ohne die Vorteile eines Handelsplatzes zu verlieren. Dennoch bliebe auch London ein ausländischer Rechtsraum.

Die deutschen Goldreserven stehen grundsätzlich gut da, und die Bundesbank verfügt über wichtige Bestände im Inland sowie den Zugang zu globalen Märkten. Allerdings stammt die Strategie im Kern aus dem Jahr 2013, einer Zeit mit völlig anderen geopolitischen Bedingungen.

Wirtschaft
Heute, 20. Oktober 2026 • 👁️ 2 Aufrufe